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 Doppelte Halbsprachigkeit

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Fufu!
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BeitragThema: Doppelte Halbsprachigkeit   19/7/2013, 4:27 pm

Ich möchte an dieser Stelle gerne das thema der doppelten Halbsprachigkeit, auch bekannt als doppelter Semilingualismus aufgreifen. Grob ausgedrückt geht es um das typische Klischee einem Ausländer vorzuwerfen "lerne doch endlich unsere Sprache" und ihm gleichzeitig den Vorwurf zu unterbreiten, er sollte in seinem privaten Umfeld nicht auf seine Muttersprache zurückgreifen, weil dies dem erlernen der neuen Sprache abträglich wäre.
Wohlgemerkt mir geht es an dieser Stelle nicht um eine ethische Diskussion.
Man darf von jemanden fordern die hiesige Sprache zu lernen ohne dass es rassistisch wäre.
Mir geht es jedoch darum, wie sinnvoll solche Argumente eigentlich sind und vermeintliche Falschperspektiven richtigzustellen.

Nach Hansegards Ansatz neigen Migranten zu einer starken und einer schwachen Sprache. Durch emotionale Bindung wird die Muttersprache in der Regel zu der starken, auch wenn sie eingeschränkt aktiv ist. Die Fremdsprache, also deutsch wird semilingual ausgebildet. In Folge dessen leidet dann auch die Muttersprache, da die beiden sprachlichen Systeme vermischt werden. Das liegt daran, dass die Muttersprache eingeschränkt ausgeprägt und dadurch quasi begrenzt wird. Wenn es dem Migranten "erlaubt" ist, seine Muttersprache zu pflegen, kommt das beiden sprachlichen Gebräuchen entgegen.
Das wäre jedoch das genaue Gegenteil des üblichen Klischees "Er solle doch in seinem Umfeld bitte gefälligst Deutsch sprechen, um es zu lernen".
Denn erst wenn man seine Muttersprache entsprechend beherrscht, ist man fähig, auch die andere Sprache ausgewogen zu erlernen. Er wird in einem sprachlichen Mischmasch enden.

Es entsteht also eine Wirrung zwischen den Sprachsystemen, da es schwerer ist einen verschiedenen sprachlichen Ansatz zu begreifen, wenn der erste nicht richtig ausgebildet wurde.
Alleine schon deswegen da die verschiedenen Sprachen stark unterschiedliche Flexionssysteme, Morphologien und Wortbildungsmuster besitzen.
Man begegnet einer Fremdsprache mit einem ganz anderen Anspruch, wenn die Ausprägung einer sprachlchen Fähigkeit abgeschlossen wurde, als wenn selbst die erste nicht richtig beherrscht wird.
Natürlich kann man dies dennoch, es ist aber eher hinderlich.
Denn die Muttersprache wird abstrahiert um dadurch auf den Aufbau der Fremdsprache zu schliessen, auch wenn diese sich eigentlich unabhängig verhalten.

Man könnte es mit einem Musikinstrument vergleichen, bei dem es leichter fällt ein neues zu erlernen, wenn ich eines bereits beherrsche. Sprachliche Fähigkeiten verhalten sich sehr ähnlich.
Ansonsten fehlt es an semantischem Feingefühl. Das Konzept Sprache wurde so nicht völlig verinnerlicht. Also muss diese Fähigkeit synchron mit der Zweitsprache ausgeprägt werden.
Ansonsten muss die sprachliche Fähigkeit an sich erst erworben werden, statt ein neues Sprachsystem darin zu adoptieren. Unmöglich ist es, natürlich nicht. Aber es fehlt ein sprachlicher Grundstein.

Wenn ich also meine Muttersprache nicht perfekt erlernt habe, fehlen mir grundlegende Fähigkeiten um eine Fremdsprache wirklich ausgeprägt zu erlernen. Aus diesem Grund finde ich den Ansatz falsch jungen MIgranten zu "befehlen" sie hätten gefälligst die neue Sprache zu erlernen und sollen diese gefälligst auch zu Hause verwenden. Oft wäre ein Kurs in der eigenen Muttersprache zunächst wertvoller, wenn diese nicht entsprechend ausgeprägt wurde, da es das Erlernen der neuen Sprache begünstigen würde, statt 2 halbe Sprachen zu erlernen.

Etwas provokativ ausgedrückt "Gebt ihnen türkische statt deutschen Sprachkursen in den Schulen", um einen beispielhaften Nenner zu finden.

Liebe Grüße
Fufu Witch1

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Gnothi Seauton
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Melina
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BeitragThema: Re: Doppelte Halbsprachigkeit   23/7/2013, 7:40 pm

Hm, ich sehe das ganz anders.

Wenn das Erlernen einer Sprache nur dann möglich ist, wenn die Muttersprache komplett und perfekt erlernt ist, dann ist doch die frühkindliche Erziehung mit unterschiedlichen Sprachen auch total unsinnig. Bzw. sind meiner Meinung nach Kinder in der 5. Klasse noch nicht so weit, dass sie perfekt ihre Muttersprache beherrschen, und müssen dann ja auch schon eine Zweitsprache erlernen, manchmal sogar eine dritte Fremdsprache.

Warum sollten das dann junge Migranten nicht auch können?

Als weiteres Beispiel weise ich auf Kinder, die zweisprachig aufwachsen. Auch diese haben keine Probleme, zwei völlig verschiedene Sprachen (bleiben wir ruhig beim Beispiel türkisch - deutsch) komplett zu erlernen. Sie haben ebenfalls nicht das Erlernen ihrer Muttersprache komplett und perfekt abgeschlossen. Trotzdem beherrschen sie im Erwachsenenalter beide Sprachen fließend.

Das Argument, dass Migranten angehalten werden, auch deutsch zu Hause zu sprechen liegt doch aber einfach darin, dass in vielen kulturellen Schichten - wie z. B. bei den Türken - die Migranten sich ihr Umfeld nach gleichssprachigen Kontakten aussuchen, d.h. die Kinder in diesen Familien haben außer kurz im Kindergarten oder später  in der Schule fast KEINE Möglichkeit mehr, die erlernte Sprache zu üben. Denn jeder von uns weiß, dass genau das - das Sprechen im Alltag - wirklich viel Übung bringt und nur so eine Sprache auch gesprochen werden kann. Türkisch sprechen diese Kinder untereinander schon genug, da muss man sich keine Sorgen machen, dass sie ihre Muttersprache nicht pflegen.

Und noch etwas fällt mir ein: Die Türken, die kein gutes türkisch sprechen, sprechen dies in der Regel nicht, weil sie zu früh "gezwungen" wurden deutsch zu sprechen, oder semilingual aufwuchsen, sondern weil sie in einer Gesellschaftsschicht leben, in der Sprache verkümmert.. wie viele Deutsche sprechen besch**** Deutsch!?

P.S. ich habe das Beispiel türkische Migranten nur gewählt, weil ich die Sprache gut kenne. Es trifft natürlich auch auf andere Sprachen bzw. Migranten zu.

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Liebe Grüße,
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BeitragThema: Re: Doppelte Halbsprachigkeit   23/7/2013, 9:01 pm

Erstmal geht es mir darum ein Vorurteil auszumertzen, 2tens möchte ich doch objektiv sein, denn von einer Moralkeule halte ich nichts.
Ich meine nicht dass es unmöglich wäre und auch nicht dass synchrone Sprachausprägung schlecht wäre. Sondern dass es zu erheblichen Problemen führen kann eine Sprache nicht anwenden und auslernen zu dürfen. Meiner Erfahrung nach bemerkt man das bei sehr vielen.

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BeitragThema: Re: Doppelte Halbsprachigkeit   24/7/2013, 11:28 pm

Hmm, ich sehe das eher wie Melina. Obwohl fufu einige Punkte sagt denen ich auch zustimmen kann.
Vorweg: Ich bin sicher nicht rassistisch!!!

Ich denke wenn ich mich dafür entscheide in einem Land zu leben, muss ich auch die hiesige Sprache annehem. Es ist ja schließlich meine neue Heimat. Selbiges gilt natürlich auch für meine Kinder, die ja evtl. in diesem Land geboren werden. Dann ist doch die neue Sprache so zu sagen die Muttersprache der Kinder und die Sprache der Eltern so zu sagen die Zweitsprache.
wenn man in einem fremden Land lebt hat man auch ein paar Wege zu erledigen. Beispielsweise muss man mal zum Arzt.

Beispiel hierzu: Wir hatten eine Russische Patientin. Ich musste sie leider wieder weg schicken da sie so gut wie kein Deutsch sprach. Die Patientin hat sich fürchterlich aufgeregt darüber uns sagte wortwörtlich: "Warum ich mussgehen? Helena kann sprechen (Helena war unsere auszubildene, die aus Russland kam). Warum sie Schule? Ich haben heute Termin!!"

Die Frau tat mir leid, aber ich konnte nichts für sie tun, da sie nicht genug deutsch sprach. Und sie lebte schon über 10 Jahre in Deutschland.

Eine Sprache lernt sich sehr schnell wenn man sie anwenden kann, Ich komme gerade aus Spanien zurück. Wir haben dort eine Woche Urlaub gemacht und ich habe min 10 neue Vokabeln gelernt. So nebenbei! Dann kann man sich ausrechnen was man mit einem entsprächenden Sprachkurs erreichen kann.
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Melina
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BeitragThema: Re: Doppelte Halbsprachigkeit   3/8/2013, 4:09 pm

Fufu schrieb:
Erstmal geht es mir darum ein Vorurteil auszumertzen, 2tens möchte ich doch objektiv sein, denn von einer Moralkeule halte ich nichts.

Das verstehe ich jetzt nicht.

1. Welches Vorurteil willst du ausmertzen?

2. Meinst du jetzt, mein Beitrag ist nicht objektiv, oder warum sagst du das so? Habe ich auch nicht in Frage gestellt, dass dein Beitrag objektiv ist!?

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Liebe Grüße,
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